Ton und Töpfer

Es gibt sie seit 12.000 Jahren. Die kraftvollen archaischen Formen zieren Sammlungen und Museen. Im Zeitraffer werden sie vor tausend Jahren von der feineren Fayence übertroffen. Kunstsinn für herrliche Malerei treibt feine, polychrome Blüten. Keramik ist der Sammelbegriff für alle Spielarten des Tons. 

Porzellan – China, mal wieder als erster, erfindet vor zweitausend Jahren das Porzellan in Verbindung mit Steinzeug. Der Weg kunstvoller Malerei verläuft von wundervoller jadefarbiger Seladonglasur über Blau-Weiß-Porzellan bis zu virtuoser Polychrommalerei. Das erste europäische Porzellan – kaum erwähnt – wird 1575 als Medici-Porzellan in Florenz erfunden. Die Museen besitzen gerade einmal 60 Exemplare dieser sensationellen Schönheiten. Nach langer Sendepause erfindet Böttger als verhinderter Goldmacher ersatzweise das Porzellan. Es avanciert weltweit neben Gold, Silber und Juwelen zum höfischen Kunstbesitz. 

Der Markt: Porzellan – Spitzenobjekte mit großem Namen erzielen hervorragende Preise bis 6-stellig. Gebrauchsgeschirr tritt massenhaft auf und wird somit unterbewertet. 

Porzellangruppe, Höchst, 1770

Steinzeug genießt hohe Sympathiewerte. Es ist das härteste Material in der Keramikfamilie. Schon im 15. Jahrhundert erobert es weltweit die Herzen mit wunderschönen Farbglasuren und plastisch-figürlichen Auflagen. Die Hochburgen der Hafener sind Raeren, Siegburg, Frechen, Westerwald, Muskau und viele andere – sie liefern in alle Welt. Kunstvolle Objekte erzielen Höchstpreise, die einfacheren verlieren nicht im Wert, aber im Preis.

Fayence, Persien, 12. Jh.

Fayence 

Sie ist die ältere Schwester des Porzellans, mit der uns Persien schon im 12. Jh. mit kunstvoll bemalten Fayencen beglückt. Während wild mit der Erfindung des Porzellans experimentiert wird, antworten Kunst und Kommerz auf das dominante, chinesische Blau-Weiß-Porzellan und erfinden als Ersatz die Fayence. Es entstehen überall in Europa Fayence-Manufakturen, die ihre großen Vorbilder perfekt zu interpretieren vermögen. Der explodierende Einfallsreichtum erschafft alles Erdenkliche zum Gebrauch und zum Luxus. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Formenvielfalt und feinste polychrome Malerei erreichen höchste Qualität und geben der Billigkonkurrenz des Steingutes keine Chance. Die Fayence-Manufakturen Frankfurt und Hanau sind dem chinesischen Blau-Weiß-Porzellan dicht auf den Fersen, während die Manufaktur Delft mit zig Millionen Fliesen für unsere Stuben und Schlösser aufwartet. Kulturell bedeutend zeigen sich unsere mollig warmen Kachelöfen, deren großformatige Kacheln kunstvoll mit biblischen und bürgerlichen Szenen bemalt sind. Man denke hier auch an Portugal, hier wurden die Häuser Innen und Außen flächendeckend mit Fliesenbildern geschmückt.

Der Markt verzeichnet preisliche Tiefflüge für einfache Qualitäten und Höhenflüge für erste Qualität.